Geschäftsverlauf

Wichtige Ereignisse im abgelaufenen Geschäftsjahr

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Flughafen München

Die Ausbreitung der Corona-Pandemie hatte für den Flughafen München Konzern als Betreiber eines internationalen Verkehrsflughafens gravierende negative Folgen. Die anhaltenden Reisebeschränkungen machen eine schnelle Erholung der Branche unmöglich.

Ab März 2020 kam es – infolge der weltweit eingeführten Reise- und Kontaktbeschränkungen – zu einem massiven Verkehrseinbruch. Zahlreiche Fluggesellschaften stellten ihren Betrieb ein oder reduzierten diesen auf ein Minimum. Nach einer leichten Erholung in den Sommermonaten führte eine erneute Verschärfung der Beschränkungen zum Ende des dritten Quartals 2020 zu einem neuerlichen Rückgang der Verkehrszahlen. Dies führte zu signifikanten Umsatzrückgängen und in der Folge zu massiv rückläufigen Ergebniszahlen. Weitere Erläuterungen zur Verkehrsentwicklung sind im Abschnitt Geschäftsverlauf Aviation zu finden.

Darüber hinaus wurden alle Einzelhandels- und Serviceeinheiten aufgrund einer Allgemeinverfügung und der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) zum 17. März 2020 geschlossen. Unterjährig erfolgte dann eine temporäre Öffnung bis zum 16. Dezember 2020 (zweiter Lockdown). Die geöffneten Gastronomieeinrichtungen wurden zur Sicherung der allgemeinen Versorgung gänzlich auf To-Go-Betrieb umgestellt. Im Rahmen der gemäß BaylfSMV möglichen weiteren Öffnungen der Gastronomieeinheiten wurde zeitweise eine Verpflegung am Tisch ermöglicht. Für weitere Erläuterungen wird auf den Abschnitt Geschäftsverlauf Commercial Activities Bezug genommen.

Um den rückläufigen Ergebniszahlen entgegenzuwirken und die Liquidität zu sichern, wurden drastische Gegensteuerungsmaßnahmen im Konzern sowohl im Aufwands- als auch im investiven Bereich eingeleitet.

Seit Ende März 2020 wird das Satellitengebäude nicht mehr zur Passagierabfertigung genutzt. Auch das Terminal 1 wurde von Ende April bis Anfang Juli 2020 und wieder ab Dezember 2020 komplett geschlossen, um Kosten zu senken. Zusätzlich wurde für einen Großteil der Beschäftigten am Standort München ab Mitte April 2020 Kurzarbeit eingeführt sowie ein Einstellungsstopp verhängt. Darüber hinaus wurde das parallele Startbahnsystem durch Stilllegung einer Runway auf ein Einbahnsystem reduziert sowie Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen auf später verschoben. Alle betrieblich nicht zwingend notwendigen Sachausgaben wurden gestrichen.

In Zusammenhang mit der Corona-Pandemie setzte der Flughafen München das Veränderungsprogramm »Restart« auf. Hier werden organisatorische und effizienzsteigernde Maßnahmen entwickelt sowie die Anpassung der Personalkapazität angestrebt.

Viele der geplanten Investitionsvorhaben aus dem Generalausbauplan wurden unter anderem hinsichtlich ihrer betrieblichen Notwendigkeit, ihrer strategischen Bedeutung und vor dem Hintergrund bestehender Verträge überprüft. Aus dieser Überprüfung erfolgten entsprechende Reduzierungen oder zeitliche Verschiebungen (unter anderem die dritte Start- und Landebahn). Davon nicht betroffen waren Maßnahmen mit einem hohen baulichen Fortschritt.

In Summe konnte somit der operative Aufwand im Geschäftsjahr 2020 signifikant reduziert werden.

Zur weiteren Liquiditätssicherung nahm der Konzern bis zum Jahresende Darlehen in Höhe von insgesamt 480 Millionen EUR auf.

Baufortschritt bei diversen Baumaßnahmen trotz Corona-Pandemie

Seit 2018 wird die Realisierung des Erdinger Ringschlusses, also die Weiterführung der Bahnstrecke von Freising über den Flughafen München nach Erding, konsequent vorangetrieben. Die Kosten für den Rohbau der Tunnelverlängerung werden vom Flughafen München getragen und in Form eines verzinslich zurückzuzahlenden Zuschusses vom Freistaat Bayern vorfinanziert. Mit Inbetriebnahme der Tunnelverlängerung wird für den Flughafen München die Zahlung der Investitionskosten fällig.

Im Bereich des Terminals 2 wird derzeit das östliche Vorfeld um eine Fläche von insgesamt 180.000 Quadratmetern erweitert. Als Ergebnis stehen 23 neue Abstellpositionen zur Verfügung.

Auch die Erweiterung des Terminals 1 um einen Flugsteig wurde bis zu einem gewissen Grad fortgeführt. Zentrale Ziele dieser Ausbaumaßnahme sind eine bedarfsgerechte Anpassung des Non-Schengen-Bereichs sowie die Steigerung der Service- und Aufenthaltsqualität im Terminal 1 für die Zukunft.

Zudem schreitet das Projekt »LabCampus« auf dem Areal AirSite West voran. In diesem Zusammenhang erfolgte im Geschäftsjahr 2020 der Baubeginn der ersten beiden Bürogebäude.

Neues Logistikzentrum geht in Betrieb

Zum 1. Oktober 2020 übernahm die Tochtergesellschaft eurotrade das neu gebaute Logistikzentrum am Campus. Künftig werden dort die Lagerkapazitäten des Flughafen München Konzerns unter einem Dach vereint. Die Gesamtfläche inklusive Außenlager beträgt rund 24.000 Quadratmeter. Das Gebäude ist 113 Meter lang und 76 Meter breit bei einer Fläche von etwa 15.000 Quadratmetern. Es verfügt über ein Tiefkühl-, ein Hochregal- und ein automatisches Kleinteilelager.

AE Berlin wird der größte Bodenverkehrsdienstleister am Flughafen Berlin Brandenburg »Willy Brandt« (BER)

Mit der Eröffnung des Großflughafens in Berlin im November 2020 wurde die Tochtergesellschaft AE Berlin durch den Zugewinn von zwei Großkunden zum größten Bodenverkehrsdienstleister am Standort Berlin und verfügt damit über einen Marktanteil von mehr als 50 %.

Verkehrsfreigabe der Straßenbaumaßnahmen am Flughafen München

Am 10. Dezember 2020 erfolgte die Verkehrsfreigabe des zweiten Bauabschnitts zur östlichen Straßenanbindung des Münchner Flughafens. Damit sind der mehrspurige Ausbau des Südrings und dessen Verlängerung nach Osten Richtung Flughafentangente Ost inklusive der Brückenbauwerke abgeschlossen.

Geschäftsverlauf Aviation

Historischer Einbruch der Verkehrszahlen durch die Corona-Pandemie

Verkehrszahlen Flughafen München1

 

 

 

 

 

 

Zu-/Abnahme

 

 

2020

 

2019

 

Absolut

 

Relativ in %

Flugbewegungen

 

146.833

 

417.138

 

-270.305

 

-64,8

Passagiere (in Millionen)

 

11,1

 

48,0

 

-36,9

 

-76,8

Cargo1 (in Tonnen)

 

158.456

 

356.970

 

-198.514

 

-55,6

1

Zur besseren Vergleichbarkeit mit anderen Verkehrsflughäfen wird der Cargo-Umschlag hier inklusive der Post- und Frachtmengen angegeben, die am Flughafen München im Transit an Bord des Flugzeugs verbleiben. Die Werte können sich daher von denen aus anderen Publikationen unterscheiden, in denen nur Fracht- beziehungsweise Cargo-Umschlag (ohne Transit) betrachtet werden.

Mit nur 11,1 Millionen Passagieren und 146.833 Flugbewegungen erzielte der Flughafen München ein historisch schlechtes Verkehrsergebnis. Die verschiedenen Lockdowns im Lauf des Jahres 2020 verbunden mit weitreichenden, internationalen Reisebeschränkungen machten die ursprünglich für das Jahr 2020 erwartete Verkehrsentwicklung unmöglich. Die Anzahl der Flugbewegungen fiel auf das Niveau von Mitte der 1980er-Jahre. Die Passagierzahlen lagen knapp über denen des letzten vollen Betriebsjahrs 1991 am Standort Riem.

Flugbewegungen am Flughafen München im Jahresverlauf

Flugbewegungen am Flughafen München im Jahresverlauf (Säulendiagramm (horizontal))

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr kam der Flugverkehr am Flughafen München temporär fast komplett zum Erliegen. In den Sommermonaten verbesserte sich die Situation leicht, jedoch blieb die Auslastung auf einem niedrigen Niveau und lediglich die Nachfrage nach Luftfracht hellte bei hohen Frachtraten die wirtschaftliche Situation des Langstreckenverkehrs etwas auf. Die Angebotserhöhung seitens der Fluggesellschaften im Sommer wurde allerdings im Winterflugplan bereits durch den nächsten Lockdown wieder zunichte gemacht.

Der Langstreckenverkehr reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 80 % auf 1,7 Millionen Passagiere, vor allem da entsprechende Zubringerdienste fehlten; die Flugbewegungen fielen um 69 % auf 10.591. Äußerst niedrige Auslastungswerte während der Lockdowns im Langstreckenverkehr von rund 20 % erschwerten den profitablen Betrieb. Jedoch ermöglichten teilweise höhere Frachtraten und mehr Frachttonnage einen kostendeckenden Betrieb, bei einem deutlich verringerten Angebot.

Sowohl Originär- als auch Umsteigeverkehr sind in der Krise zurückgegangen. Die Konnektivität wurde durch das sehr geringe Angebot deutlich reduziert. Daher sank die Zahl der Umsteigepassagiere deutlich, während ihr Anteil am Gesamtverkehr mit 34 % (Vorjahr: 38 %) vergleichsweise stabil blieb.

Auch der innerdeutsche Verkehr schrumpfte deutlich, jedoch in einem geringeren Umfang als die anderen Verkehrssegmente. Es wurden rund 2,6 Millionen Passagiere (-73 %) bei 44.127 Flugbewegungen (-54 %) befördert.

Passagierentwicklung am Flughafen München im Jahresverlauf

Passagierentwicklung am Flughafen München im Jahresverlauf (Säulendiagramm (horizontal))

Der kontinentale Verkehr verzeichnete mit 92.115 Bewegungen (-65 %) und rund 6,9 Millionen Passagieren (-77 %) einen stärkeren Rückgang als der innerdeutsche Verkehr. Hier wirkten sich ebenfalls die je nach Zielgebiet unterschiedlichen Reisebeschränkungen sowie die Ver–unsicherung der Passagiere aus. Während der Sommerferien zeigte sich trotz ungünstiger Rahmenbedingungen eine verhalten positive Entwicklung, die auf eine ungebremste Reiselust zumindest in Teilen der Bevölkerung hinweist.

Die Frachtentwicklung (-54,9 %, 152.636 Tonnen) am Flughafen München zeigte sich im Jahr 2020 zweigeteilt. Das in den Vorjahren mit einem Anteil von über 80 % besonders wichtige Beiladefrachtgeschäft auf Passagiermaschinen brach aufgrund des wegfallenden Langstreckenverkehrs um -66,8 % ein und erreichte nur noch einen Umschlag von 94.860 Tonnen. Die auf reinen Frachtmaschinen transportierte Nurfracht legte dagegen zu (+9,2 %), konnte aber aufgrund des knappen Angebots und der am Flughafen München ungünstigen Rahmenbedingungen für dieses Segment die weggefallene Beiladefracht bei Weitem nicht kompensieren. Es wurde ein Jahresergebnis von 50.253 Tonnen erzielt. Hinzu kamen noch 7.523 Tonnen Fracht im Transit (Luftfracht, die weder ein- noch ausgeladen wurde, sondern nur einen Zwischenstopp in München einlegte).

Der Luftpostumschlag reduzierte sich auf rund 5.815 Tonnen (-68,5 %), da von April bis November 2020 keine Postflüge durchgeführt wurden.

Im Vergleich mit den Verkehrsergebnissen der in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) vertretenen Flughäfen entwickelte sich der Flughafen München unterdurchschnittlich. Bei den Flugbewegungen und Passagieren lag der Flughafen München unter dem deutschen Durchschnitt, da die Konzentration des Hubverkehrs auf Frankfurt und die temporäre Aufhebung des hiesigen Drehkreuzverkehrs München besonders hart getroffen hat. Der Flughafen Frankfurt profitiert hierbei von seiner sehr guten Fernbahnanbindung. Der vor der Krise überdurchschnittlich hohe Anteil an Geschäftsreisenden, der aufgrund von Dienstreiseverboten und Homeoffice-Verpflichtungen stark rückläufig ist, trägt ebenfalls dazu bei. Der Cargo-Umschlag ist ADV-weit leicht gesunken, wobei der Rückgang in München aufgrund der Reduktion des Drehkreuzverkehrs und des damit verbundenen Einbruchs des Langstreckenverkehrs überdurchschnittlich hoch war. Frachtseitig verbuchten nur die großen Frachtdrehkreuze Leipzig und Köln/Bonn sowie Hahn ein deutliches, von der Nurfracht und dem E-Commerce getriebenes Plus.

Verkehrsergebnisse 2020 im Vergleich1

In %

 

ADV

 

München

Bewegungen (gesamter Verkehr)

 

-54,9

 

-64,8

Passagiere (gewerblicher Verkehr)

 

-74,6

 

-76,8

Cargo (Luftfracht und Luftpost inklusive Transit)

 

-3,9

 

-55,6

1

ADV-Monatsstatistik 12/2020, Februar 2021

Im europäischen Vergleich fiel der Flughafen München ebenfalls zurück und konnte sich nicht mehr in den Top Ten der passagierstärksten Airports halten. Generell entwickelten sich die deutschen Flughäfen durch besonders restriktive Reisebeschränkungen unterdurchschnittlich. Deutschlands größter Airport Frankfurt liegt nur auf dem sechsten Platz.20

Bodenabfertigungsdienstleistungen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld

Das Jahr 2020 war für die beiden Tochtergesellschaften AE München und AE Berlin, wie für die gesamte deutsche Luftverkehrsbranche, durch einen extremen Rückgang der Abfertigungszahlen infolge der weltweiten Corona-Pandemie gekennzeichnet.

Am Flughafen München gibt es zwei Bodenabfertigungslizenzen. Eine davon ist fest an die Tochtergesellschaft AeroGround Flughafen München GmbH (AE München) vergeben. 2020 verzeichnete die AE München einen Abfertigungsmengenrückgang von 69,2 %. Der Marktanteil sank um 3,8 Prozentpunkte und lag damit im Jahresdurchschnitt 2020 bei 51,2 %. Dies lässt sich unter anderem auf eine Verschiebung des Marktanteils bei der Deutschen Lufthansa zurückführen, was auch einen rückläufigen Marktanteil im Terminal 2 zur Folge hatte.

Dagegen stieg im Terminal 1 der Marktanteil, da Frachtabfertigungen durchgeführt wurden, die auch während der Flugstreichungen konstant geblieben sind.

Die AE Berlin verzeichnete 2020 einen Abfertigungsmengenrückgang von 65,7 %. Die Geschäftsaktivitäten waren aber auch vom Umzug des Teilbetriebs am Flughafen Tegel zum neuen Flughafen BER sowie von der Gewinnung von zwei Großkunden geprägt. Insgesamt stieg damit der Marktanteil am Standort Berlin auf mehr als 50 % an. Im Passagierverkehr lag der durchschnittliche Marktanteil im Jahr 2020 bei 24 % (Vorjahr: 20 %) und im Frachtverkehr bei 3 % (Vorjahr: 0 %).

Geschäftsverlauf Commercial Activities

Im Vergleich zum Vorjahr entwickelten sich die Umsatzerlöse im Geschäftsfeld Commercial Activities aufgrund der Coronavirus-Pandemie stark rückläufig, bedingt durch die wenigen Passagiere, die einen Flug antraten. Aufgrund dieser Passagiereinbrüche wurden am Flughafen München sukzessive Terminalbereiche geschlossen. Am 24. März 2020 erfolgten die Schließungen des Satellitengebäudes sowie des Moduls A im Terminal 1. Einen Monat später am 29. April 2020 wurde dann das Terminal 1 bis zum 8. Juli 2020 vollständig geschlossen. Ab 1. Dezember 2020 kam es erneut zu einer Komplettschließung.

Zudem wurden aufgrund einer Allgemeinverfügung und der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) alle Einzelhandels- und Gastronomieeinheiten zwischen 17. März und 27. April 2020 geschlossen. Ausgenommen waren die Grundversorgung sowie Gastronomie als Take-away oder Drive-in sowie Lieferungen. Seitdem obliegt es den Mietern, selbst zu entscheiden, ob sie aufgrund der Passagierprognosen ihre Einheiten öffnen.

Um die Belastung für die Mieter zu reduzieren und diese langfristig am Standort München zu halten, erfolgten primär für den passagierabhängigen Einzelhandel beziehungsweise die Gastronomie und differenziert nach Art und Umfang der Einschränkungen, soweit rechtlich zulässig und geboten, in Einzelfällen Anpassungen der Mieten beziehungsweise der Mietverträge.

Einzelhandel – Umsatzentwicklung im Einklang mit den eingebrochenen Passagierzahlen

Aufgrund der Krise und der damit verbundenen geringeren Passagierzahlen und der oben beschriebenen Schließungen von Terminalbereichen sowie der Einschränkungen aus der Allgemeinverfügung und der BayIfSMV sind die Umsatzerlöse im Einzelhandel stark eingebrochen.

Gastronomie und Hotel leiden unter der Pandemie

Auch die Umsätze in den Restaurants und Bars sind absolut betrachtet aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen gegenüber dem Vorjahr stark eingebrochen. Relativ pro Gast betrachtet stiegen die Umsätze jedoch, was auf die weiterhin stattfindende Mitarbeiterverpflegung bei sinkenden Passagierzahlen zurückzuführen ist.

Darüber hinaus verzeichnete das Hotel Umsatzrückgänge bei der Nachfrage nach Übernachtungen und Konferenzen. Bei den Skytrax Awards 2020 wurde das 5-Sterne-Hotel im Zentralbereich des Flughafens München erneut als zweitbestes Flughafenhotel in Europa ausgezeichnet.21

Parken – Nachfrage sinkt mit Passagieraufkommen

Die Passagierrückgänge am Flughafen München haben dem Parkgeschäft stark zugesetzt. Zwar ist der Anteil an Anreisen mit Auto beziehungsweise Carsharing gegenüber den Vorjahren gestiegen, dies aber nur bei einer sehr geringen absoluten Menge. Einzig das nicht direkt passagierabhängige Geschäftsfeld Mieterparken verzeichnete nur geringe Umsatzrückgänge.

Werbung – herausforderndes Marktumfeld

Auch der Werbemarkt hat unter der Pandemie gelitten. Jedoch sind die Umsätze unterproportional zum Passagierrückgang gesunken. Dies lag daran, dass der Großteil der Werbeverträge vor Ausbruch der Pandemie in Deutschland abgeschlossen wurde und diese eingehalten wurden. Gegenläufig reduzierte sich aufgrund der Terminalschließungen die Zahl der langfristigen Verträge (unter anderem Fluggastbrücken, Raucherlounges).

Geschäftsverlauf Real Estate

Impulse für die weitere Standort- und Immobilienentwicklung

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigten sich auch im Bereich Real Estate. Diverse geplante Bauprojekte wurden gestoppt oder zurückgestellt sowie bei laufenden Projekten seitens der bauausführenden Firmen Mehrkosten angemeldet und Behinderungen angezeigt. Insgesamt liegt das Ergebnis dennoch in etwa auf Vorjahresniveau und damit im Bereich des Plans 2020: Während die Mieterlöse noch nahezu konstant blieben, konnte durch Maßnahmenschiebung sowie -priorisierung bei Umbau und Instandhaltung eine Reduzierung der Kosten erreicht werden. Gleichwohl wurden von zahlreichen Mietern aller Branchen Mietreduzierungen sowie Zahlungsaufschübe angefragt, jedoch von Seiten der FMG bislang nicht realisiert.

Die Entwicklung des Zukunftsprojekts LabCampus auf dem Areal AirSite West schreitet voran. Im Berichtsjahr erfolgte der Baubeginn der ersten beiden Bürogebäude, deren Fertigstellung für 2022/2023 geplant ist.

Zur besseren Anbindung der AirSite West sind weitreichende Erschließungsmaßnahmen erforderlich. Die Baumaßnahmen dazu laufen bis voraussichtlich Mitte 2021. Darüber hinaus wurde das Brückenbauwerk über die Zentralallee (Verkehrsknoten West 0), das das westliche Ende der Nordallee über die Zentralallee und die Bahngleise hinweg mit dem Wartungsbereich des Flughafens verbindet, Ende 2020 fertiggestellt.

Im Zusammenhang mit dem Erdinger Ringschluss wurden im östlichen Areal des Flughafens die Tunnelbauarbeiten fortgesetzt, um die Erreichbarkeit des Flughafens auf der Schiene zu verbessern. Der bestehende Tunnel, der derzeit auf der Höhe des Satellitengebäudes des Terminals 2 endet, wird in östlicher Richtung verlängert. Die Tunnelverlängerung ist rund 1,5 Kilometer lang und wird um ein 300 Meter langes Rampenbauwerk, über welches die Züge wieder an die Oberfläche gelangen, ergänzt. Der Flughafen München plant, den Tunnelrohbau im Jahr 2021 fertigzustellen. Anschließend wird dieser von der DB Netz AG mit den für den Zugverkehr notwendigen technischen Ausstattungen ausgerüstet.

Darüber hinaus wurden zur Verbesserung der östlichen Straßenanbindung des Flughafens München die Bauarbeiten für den mehrspurigen Ausbau des Südrings und dessen Verlängerung nach Osten Richtung Flughafentangente Ost abgeschlossen. Der erste Bauabschnitt konnte termingerecht im September 2020 fertiggestellt werden, der zweite Bauabschnitt wurde Ende 2020 in Betrieb genommen.

Der Flughafen München befindet sich derzeit in der Realisierungsphase des Großprojekts Flugsteig Terminal 1. Die Erweiterung dient einerseits der Verbesserung der Abfertigungsqualität bei Großraumflugzeugen und Non-Schengen-Passagieren, die durch eine veränderte Verkehrsstruktur dringend erforderlich wurde. Zudem ergab sich aufgrund wesentlich gestiegener Anforderungen an die Sicherheitskontrollen seit der Eröffnung des Terminals 1 im Jahr 1992 die Notwendigkeit, Personen- und Warenkontrollen auszubauen. Nur mit der Erweiterung um diesen Flugsteig kann die Abfertigungsqualität im Terminal 1 den Ansprüchen der Passagiere, Airlines und Behörden wieder gerecht werden.

Das Gesamtkonzept für die Erweiterung sieht einen in drei Ebenen gegliederten Baukörper vor, der sich aus einem an das Terminal 1 angrenzenden Kerngebäude und einem Flugsteig zusammensetzt. Dieser wird mit den bestehenden Modulen A und B verbunden sein und mehr als 320 Meter in das westliche Vorfeld des Flughafens München hineinreichen. An dem Flugsteig können dann bis zu zwölf Flugzeuge andocken. Die Gesamtfläche der Erweiterung inklusive der Umbauten im bestehenden Ankunftsbereich B beträgt rund 95.000 Quadratmeter. Im Januar 2020 erfolgte die Baugenehmigung für den Flugsteig. Die Bauarbeiten im Bereich des Vorfelds verlaufen planmäßig, ab 2021 wird bereits betoniert. Auch die Baugrube konnte fristgerecht erstellt werden, seit Frühjahr 2020 läuft der Rohbau, der sich mittlerweile auf der Ebene 04 befindet. Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich hier ein Verzug von einigen Monaten ergeben. In den kommenden Monaten sind Vergabeentscheidungen bei Fassade und Dach vorgesehen.

Um sowohl den bereits am Flughafen München tätigen als auch neuen Mitarbeitern geeigneten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, werden seit 2019 Wohnobjekte unterschiedlichster Beschaffenheit angemietet. Zusätzlich sind Wohnhäuser, die dem Flughafen gehören, renoviert und zu Wohnheimen umgebaut worden. Auch das Ende 2019 in Hallbergmoos eröffnete Mitarbeiterhotel mit 196 Betten steht weiterhin zur Verfügung.

Der Bedarf an Büro- und Logistikflächen innerhalb des Konzerns stieg in den Vorjahren weiter an. Aus diesem Grund wurde seit Beginn des Vorjahrs im Bereich der AirSite West ein zentrales Logistikzentrum gebaut, das im Oktober 2020 an die betreibende Tochtergesellschaft eurotrade übergeben wurde. Ebenfalls nördlich des vom Geschäftsbereich Real Estate genutzten Bürogebäudes konnten 2020 die Baumaßnahmen zur Errichtung des Bürogebäudes West 2 abgeschlossen und das Gebäude an die ersten Nutzer übergeben werden.

20 Airports Council International, Dezember 2020

21 SKYTRAX, World’s Best Airport Hotels 2020, Dezember 2020

Airports Council International (ACI)
Internationale Vereinigung der Flughafenbetreiber mit Sitz in Montreal. Mitglied des ACI sind mehr als 1.900 Flughäfen in fast allen Ländern weltweit – darunter über 500 Flughäfen in 46 europäischen Ländern im Rahmen des ACI Europe.
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen e.V. (ADV)
Dachverband aller Verkehrsflughäfen in Deutschland sowie der Schweiz und Österreich. Der Flughafenverband setzt sich für einen leistungsstarken und wettbewerbsfähigen Luftverkehrsstandort Deutschland ein.
Schengen/Non-Schengen
Abflug- und Ankunftsbereiche für Passagiere aus Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens, die direkt aus diesen Staaten kommen oder in diese einreisen wollen. Grenz- und Passkontrollen entfallen. Non-Schengen bezeichnet Bereiche für Passagiere, die nicht aus den Schengen-Staaten einreisen. In diesem Fall erfolgt eine Pass- und Zollkontrolle.

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