Geschäftsfelder

Geschäftsfeld Aviation

Infrastruktur für Airlines und Passagiere

Das Geschäftsfeld Aviation umfasst den Betrieb der Luftverkehrsinfrastruktur des Flughafens München.

Für die Bereitstellung und den Betrieb der Luftverkehrsanlagen werden folgende Entgelte in Rechnung gestellt:

Luftverkehrsentgelte

 

 

Bemessungsgrundlage

Start- und Landeentgelt

 

Höchstabfluggewicht des Luftfahrzeugs (Maximum Take-off Mass – MTOM) bei Start und Landung

Lärmentgelt

 

Festbetrag je Landung in Abhängigkeit von der Lärmklasse

Emissionsentgelt

 

Ausgestoßenes Stickoxidäquivalent je Landung

Passagierentgelt

 

Anzahl der Passagiere beim Start

Frachtentgelt

 

Anzahl der Verkehrseinheiten bei Start/Landung

Abstellentgelt

 

Höchstabfluggewicht (je angefangene 24 Stunden, ab vier Stunden)

Sicherheitsentgelt

 

Anzahl der Passagiere und/oder Verkehrseinheiten beim Start

Entgelt für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität (Person with reduced mobility – PRM-Entgelt)

 

Anzahl der Passagiere beim Start

Enteisungsentgelt

 

Anzahl der Passagiere und/oder Verkehrseinheiten beim Start

Entsorgungsentgelt

 

Anzahl der Passagiere beim Start

Im Geschäftsjahr 2014 hat der Flughafen München eine Entgeltrahmenvereinbarung mit einheitlichen Bestimmungen für alle Luftfahrtgesellschaften verabschiedet, welche die Entwicklung der Luftverkehrsentgelte bis einschließlich des Jahres 2020 festlegt und damit die Refinanzierung der Infrastruktur sicherstellt. Eine vergleichbare langfristige Entgeltrahmenvereinbarung ist auch für den Folgezeitraum 2021 bis 2030 abgeschlossen worden. Im Jahr 2020 wurde eine vertragsgemäße Absenkung der Entgelte um durchschnittlich -4,5 % umgesetzt.

Am Flughafen München kam es durch die Corona-Pandemie zu einem historischen Rückgang bei den Passagieren und den Flugbewegungen. Erläuterungen hierzu sind in den Abschnitten Geschäftsverlauf und Risiken zu finden.

Der Flughafen München betreibt zwei Start- und Landebahnen mit einer maximalen Kapazität von 90 Flugbewegungen pro Stunde im Tagesbetrieb bei Normalauslastung. Diese Kapazität war in der Vergangenheit im Normalbetrieb über weite Strecken ausgeschöpft. Generell gilt, dass zwischen 22 und 6 Uhr der Flugbetrieb nur in stark eingeschränktem Umfang und nur mit besonders lärmarmem Fluggerät zulässig ist. Im Linien- und Charterverkehr dürfen nicht mehr als 28 planmäßige Flugbewegungen je Nacht stattfinden. Auch Fracht kann aufgrund der strikten Nachtflugregelung in dieser Zeit nur in Ausnahmefällen befördert werden. Erleichterungen gibt es nur für sogenannte Homebase-Airlines und verspätete Flüge. In der Zeit von 0 bis 5 Uhr sind lediglich Nachtluftpost- und Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung zugelassen. Ausnahmen bilden zum Beispiel Not- und Hilfeleistungsflüge, Landungen aus Flugsicherheitsgründen sowie Flüge in begründeten Ausnahmefällen, die das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als zuständige Behörde bewilligt. Der drastische Verkehrsrückgang ermöglichte es, im Sommer 2020 jeweils eine Start- und Landebahn zu sperren, um ungestört Sanierungsarbeiten durchzuführen.

Die Terminals werden je nach Bedarf kontinuierlich optimiert und erweitert. Im Jahr 2019 startete der Umbau des Terminals 1. Dieses wird um einen nach Westen gerichteten Pier ergänzt, um für zukünftige Anforderungen an effiziente Sicherheitskontrollen und Terminalinfrastruktur gerüstet zu sein. Inzwischen steht die zweite Ebene des Rohbaus und die Bauarbeiten an Ebene drei haben begonnen. Zur Effizienzsteigerung und zur Vermeidung von Ansteckungen während der Corona-Pandemie wurden auf den Passagierwegen neue Technologien eingesetzt, zum Beispiel berührungslose Zugänge in den Sicherheitsbereichen. Um den Corona-Verordnungen gerecht zu werden, wurden sowohl in den Sicherheitsbereichen der Terminals als auch im öffentlichen Bereich Corona-Teststationen errichtet. Für diese und eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wurde der FMG das »ACI Airport Health Zertifikat« verliehen.

Durch seine zentrale Lage in Europa, inmitten der Metropolregion München, die sich durch ihre Stärke als Innovations-, Wissens- und Wirtschaftsstandort mit einer breit aufgestellten Wirtschaftsstruktur auszeichnet, ist der Flughafen München strategisch bestens positioniert. Das Wachstum der Bevölkerung und der Beschäftigten in der wirtschaftlich bedeutenden Flughafenregion hat sich durch die Pandemie allerdings verlangsamt. In den Vorjahren verzeichnete der Flughafen München unter den großen deutschen Drehkreuzen den höchsten Anteil an Geschäftsreisenden und war damit für besonders werthaltige Linienverbindungen prädestiniert. Bis Anfang 2020 führten Bevölkerungswachstum und Wohlstandsmehrung auch zu einer verstärkten Nachfrage nach Privatreisen ab dem Flughafen München. Im Geschäftsjahr 2020 brach der Flugverkehr ein und kam temporär fast komplett zum Erliegen. Die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bayern und vor allem im Flughafeneinzugsgebiet lassen trotz kurzfristiger Einbrüche mittel- bis langfristig eine weitere Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Weitere Erläuterungen hierzu sind im Abschnitt Wirtschaftliche und branchenspezifische Rahmenbedingungen zu finden.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa AG (im Folgenden Deutsche Lufthansa) hat sich der Flughafen München über die Jahre zu einem bedeutenden internationalen Luftverkehrsdrehkreuz entwickelt. Gemeinschaftlich getragene Ausbaumaßnahmen wie das Terminal 2 und das Satellitengebäude sowie die Planungen für den T-Stiel des Satellitengebäudes sind Fundamente einer nachhaltigen Partnerschaft, die für langfristiges Wachstum steht. Auch in der Corona-Pandemie bekräftigt die Deutsche Lufthansa ihre Bindung zum Flughafen München und sichert dem Wirtschaftsstandort Bayern mittelfristig weltweite Flugverbindungen zu.

Aufgrund seiner vielversprechenden Marktposition und der erfolgreichen Kooperation mit der Deutschen Lufthansa verfügte der Flughafen München, gemessen an der Zahl der Flugziele, vor der Corona-Krise über eines der dichtesten Netze kontinentaler Verbindungen in Europa. Stark frequentierte Umsteigeverbindungen stellten den optimalen Anschluss Bayerns an Europa und die Welt sicher. Die Kombination aus einem dichten Netz an innerdeutschen wie innereuropäischen Zubringern und einer starken lokalen Nachfrage ermöglichte es, ein attraktives Portfolio an Langstreckenflügen ab München anzubieten. Aufgrund der touristischen Attraktivität des Standorts sowie des wachsenden Einzugsgebiets mit einer wohlhabenden Bevölkerung wurde der Flughafen München zunehmend für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen interessant. Mit einer Rückkehr auf das Verkehrsniveau von 2019 ist nach derzeitiger Prognose der International Air Transport Association (IATA) allerdings erst im Jahr 2024 zu rechnen. Die Deutsche Lufthansa geht davon aus, dann wieder ein Drehkreuz am Münchner Flughafen mit rund 30 stationierten Langstreckenmaschinen zu betreiben.

Zusätzlich hemmen die deutsche Luftverkehrssteuer und fehlende Verkehrsrechte beziehungsweise die noch laufenden Verkehrsrechtsverhandlungen, beispielsweise mit Afrika (Äthiopien), das zukünftige marktgerechte Wachstum am Flughafen München.

Das Frachtgeschäft am Flughafen München ist stark von der Entwicklung des Passagierverkehrs abhängig. Grund ist, dass im Regelfall am Flughafen München der größte Teil der Luftfracht – über 80 % – als Beiladefracht auf normalen Langstreckenflügen transportiert wird. Als Folge der Corona-Pandemie hat sich durch den weitgehenden Entfall der Passagierlangstrecke dieses Verhältnis verändert. Die Nurfracht (Transport auf reinen Frachtflugzeugen) hat im Vergleich zur Beiladefracht zugelegt, aber die Verluste nicht ausgleichen können. Trotz Rückgängen zeigte die Luftfracht die Bedeutung des Flughafens München als kritische Infrastruktur. Die kurzfristige Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Produkten sowie die Anbindung der Wirtschaft an wichtige Märkte konnte durch die enge Kooperation zwischen der FMG, den Fluggesellschaften und Speditionen aufrechterhalten werden. Limitierend wirkte sich nur die Zahl der verfügbaren Frachtflugzeuge aus. Teilweise wurden Passagiermaschinen zum Transport von leichten Frachtgütern wie medizinischen Masken eingesetzt.

Geschäftsfeld Commercial Activities

Erstklassiger Service und Angebote entlang des Passagierwegs

Das Geschäftsfeld Commercial Activities ist für die Entwicklung, Vermarktung und Verwaltung der kommerziell nutzbaren Flächen des gesamten Flughafens München verantwortlich. Dies umfasst sowohl die strategische Planung des Branchenmixes in Bezug auf Einzelhandels-, Service- und Gastronomieflächen als auch die Vermietung und Vergabe von Konzessionen an Dritte und Konzerngesellschaften.

Der Flughafen München unterhält rund 21.000 Quadratmeter gastronomische Flächen und etwa 20.600 Quadratmeter Einzelhandels- und Serviceflächen (Vorjahr: 22.800 Quadratmeter). Veränderungen zum Vorjahr ergaben sich aufgrund meist temporärer Schließungen einzelner Einheiten. Auf rund 68 % der Gesamtfläche betreiben Tochtergesellschaften der FMG eigene Einzelhandels- oder Gastronomiebetriebe.

Auch das 5-Sterne-Hotel im Zentralbereich des Flughafens München zählt zum Verantwortungsbereich von Commercial Activities. Es verfügt über 551 Zimmer und 30 Tagungsräume.

Das Geschäftsfeld entwickelt und vermarktet auch nachfrageorientierte Parkraumkapazitäten. Derzeit stehen rund 32.000 Stellplätze zur Verfügung, davon sind rund 19.500 terminalnah.

Commercial Activities vermarktet ebenfalls die Werbeträger und Werbeflächen des Flughafens München. Aufmerksamkeitsstarke Werbeflächen mit wenig Streuverlust und individuellen Inszenierungsmöglichkeiten kennzeichnen das Angebot der sogenannten Out-of-Home-Werbung am Flughafen München.

Zum Leistungsportfolio des Geschäftsfelds zählt außerdem das Eventgeschäft.

Geschäftsfeld Real Estate

Immobilienstandort mit hoher Attraktivität

Das Geschäftsfeld Real Estate entwickelt, betreibt und vermarktet alle Immobilien und Grundstücke des Flughafens München, sowohl on- als auch off-Campus. Der Immobilienstandort ist in lagespezifische Areale aufgeteilt, die unter dem Begriff AirSite vermarktet werden.

Als Immobilienstandort hat der Flughafen München viel zu bieten: ein attraktives Umfeld, eine gute Straßenverkehrsanbindung, sehr gute Parkmöglichkeiten und ein umfassendes Angebot an Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die bestehende Schienenverkehrsanbindung wird durch den Erdinger Ringschluss in Richtung Osten ausgebaut, um eine bessere Erreichbarkeit des Flughafens zu erzielen. Darüber hinaus wurde durch die Inbetriebnahme der zwei zusätzlichen Spuren des Flughafenzubringers Ost Ende 2020 die Straßenverkehrsanbindung weiter optimiert. Insbesondere für die Erschließung der AirSite West und des Parkzentrums West ist der im Dezember 2020 in Betrieb genommene Brückenschlag über die Zentralallee (Knoten West 0) von großer Bedeutung.

Entsprechend den hohen Ansprüchen an das Gesamtareal wurde ein städtebauliches Konzept entwickelt, das kontinuierlich fortgeschrieben und bereits mit ersten Hochbauten in der Umsetzung sichtbar wird.

Geschäftsfeld Participations, Services & External Business

Participations & External Business: Full-Service-Provider

Die übrigen Gesellschaften des Konzerns runden das Geschäft des Flughafens ab. Die wesentlichsten Tochtergesellschaften sind:

Wesentliche Tochtergesellschaften

 

 

 

AeroGround Gesellschaften

 

Die Gesellschaften AeroGround Flughafen München GmbH (AE München) und AeroGround Berlin GmbH (AE Berlin) erbringen land- und luftseitige Abfertigungsleistungen für Airline-Kunden an den Standorten München sowie Berlin. Zu den wesentlichen Geschäftsfeldern zählen vor allem die klassischen vorfeldseitigen Bodenverkehrsdienstleistungen der Flugzeugbe- und -entladung (Ramp and Baggage Handling), die Transportleistungen für Passagiere und Crews sowie vorfeldseitige Frachttransporte.

aerogate

 

Die aerogate München Gesellschaft für Luftverkehrsabfertigungen mbH bietet am Flughafen München die Dienstleistungen Passagierabfertigung, Operation Services mit Ramp Supervision, Ticketing Service sowie Lost & Found mit Gepäckzustellung und Arrival-Service an. Zum Angebot zählen auch Leistungen im Bereich der allgemeinen Luftfahrt sowie Beratungs- und Trainingsleistungen.

Cargogate

 

Als reglementierter Beauftragter verrichtet die Cargogate Munich Airport GmbH Leistungen in Bezug auf den Umschlag von Luftfracht und die Abwicklung der damit verbundenen Zollformalitäten. Darüber hinaus bietet Cargogate die Abfertigung aller gängigen Sondergüter wie Gefahr-, Kühl- und Wertgüter an. Cargogate ist seit September 2018 als einziger Luftfrachtabfertiger am Campus zertifiziert nach Pharma Good Distribution Practice (GDP). Als ausgewiesener Spezialist betreibt die Gesellschaft im Namen der FMG die von der EU vorgeschriebene Grenzkontrollstelle und das Animal Reception Center.

MAI

 

Die Munich Airport International GmbH und deren Beteiligungen bieten weltweit Management-, Beratungs- und Schulungsdienstleistungen für die Luftfahrtbranche an. Sie hat sich vom Berater für Flughafeninbetriebnahmeprojekte (ORAT) zu einem international agierenden Flughafenbetreiber entwickelt.

Services: Energie und Telekommunikation für alle Mieter am Flughafen

Neben den Geschäftsbereichen und Tochtergesellschaften sind auch die Servicebereiche des Flughafens München am Außenumsatz beteiligt. Den bedeutendsten Beitrag leisten die folgenden Servicebereiche:

Bedeutende Servicebereiche

 

 

 

Technik

 

Der Servicebereich ist für den sicheren, wirtschaftlichen und technischen Betrieb der Flughafeninfrastruktur verantwortlich. Dazu zählen unter anderem die Energie- und Wärme-/Kälteversorgung, die Instandhaltung von Gebäuden und flughafenspezifischen Anlagen sowie das Fahrzeugmanagement für Serienfahrzeuge und Abfertigungsgeräte. Zudem ist dieser Bereich im Rahmen seines Energiemanagements maßgeblich an der Umsetzung der CO2-Strategie des Flughafens München beteiligt.

IT

 

Der Servicebereich IT bietet seinen Kunden am Flughafen München verschiedene Dienstleistungen aus den Feldern der Medien- und Kommunikationstechnik, der IT-Arbeitsplatzausstattung sowie der Server-, Datenbank- und Speicher-Systemtechnik an. Die Kernkompetenzen des Bereichs liegen vor allem in der Integration unterschiedlicher, technischer IT-Plattformen sowie in maßgeschneiderten Unterstützungsleistungen logistischer Prozesse am Flughafen München. Dabei gewinnen die Beachtung sicherheitsrelevanter Vorgaben sowie die Einhaltung konzernweiter einheitlicher Standards zunehmend an Bedeutung.

Die Aktivitäten im Geschäftsfeld Participations, Services & External Business (ohne Abfertigungsdienste) tragen einen geringen Anteil zum Außenumsatz des Konzerns bei, daher wird auf eine ausführliche Erläuterung im Abschnitt wirtschaftliches Umfeld verzichtet. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Geschäftsaktivitäten sind im Geschäftsverlauf erläutert. Die Entwicklungen zu den Abfertigungsdienstleistungen im Konzern wurden in den Passagen im Geschäftsverlauf Aviation aufgenommen.

Airports Council International (ACI)
Internationale Vereinigung der Flughafenbetreiber mit Sitz in Montreal. Mitglied des ACI sind mehr als 1.900 Flughäfen in fast allen Ländern weltweit – darunter über 500 Flughäfen in 46 europäischen Ländern im Rahmen des ACI Europe.

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